In-Ear, Over-Ear oder On-Ear – Welcher Kopfhörer eignet sich für mich?

Wer schon die Grenze zur 30 gerissen hat, der kennt aus seiner Kindheit wahrscheinlich nur eine Kopfhörerform: Mehr oder weniger schicke Over-Ear-Kopfhörer, die die Musik aus dem Walkman je nach Hersteller in guter oder eher kratziger Qualität auf die Ohren gebracht haben. In den letzten Jahrzehnten hat sich aber viel getan.

Mittlerweile ist die Auswahl unterschiedlichster Kopfhörer vom klassischen Over-Ear-Kopfhörer mit und ohne Noise Cancellation bis hin zum kabellosen In-Ear-Kopfhörer riesig. All diese Modelle unterscheiden sich zum Teil dramatisch in Sachen Abstrahlverhalten, Klangqualität und Einsatzbereich. Du fragst dich, welcher Kopfhörer für dich der richtige ist? Wir beleuchten die wichtigsten Vor- und Nachteile von In-Ear-, Over-Ear- oder On-Ear-Kopfhörern.

Chaos im Kopfhörer-Dschungel – Welche Varianten gibt es?

Bevor wir uns mit den Vor- und Nachteilen der einzelnen Kopfhörertypen und ihrer Eignung beschäftigen, steht eine kurze Bestandsaufnahme an. Grundsätzlich gibt es zwei bzw. drei Bauformen. Der Klassiker ist der Over-Ear-Kopfhörern. Mit seinen großen Ohrmuscheln umschließt er die Ohren. Durch einen Bügel wird er gleichzeitig in Position gehalten.

Das absolute Gegenteil sind In-Ear-Kopfhörer. Diese sind bedeutend kleiner, zumal ihre Lautsprecher, wie der Name es bereits vorwegnimmt, in den Ohren stecken. Gehalten werden sie in der Regel nur durch den Ohrhörer selbst, der sich in der Ohrmuschel verhakt. Spezielle Modelle für den Sport verfügen über einen zusätzlichen Sicherungsbügel hinter dem Ohr.

Alle diese Kopfhörer sind zudem in kabelgebundenen und kabellosen Varianten erhältlich. Hinzu kommen Zusatzfeatures wie Active Noise Cancellation (ANC), um unerwünschte Umgebungsgeräusche herauszufiltern. Die Kombinationsmöglichkeiten sind also groß.

Und als wäre das nicht schon genug, hält der Markt seit kurzer Zeit zudem sogenannte Bone-Conduction-Kopfhörer bereit. Der Schall wird hier nicht durch einen Lautsprecher ins Ohr, sondern direkt über den Schädelknochen übertragen. Damit kannst du solche Kopfhörer meist auch problemlos beim Schwimmen einsetzen.

Offener Over-Ear-Kopfhörer – Natürliches Klangerlebnis

Der Over-Ear-Kopfhörer ist mit seinen großen Hörmuscheln der Klassiker unter den Kopfhörern für den Musikgenuss. Allerdings können wir auch hier wieder zwischen zwei Bauformen unterscheiden. Auf der einen Seite stehen die offenen Over-Ears auf der anderen Seite die geschlossenen Over-Ears. Der Unterschied besteht in der Abschirmung. Der offene Kopfhörer ist so konstruiert, dass der Schall durch eine durchlässige Außenschale nach außen dringen kann.

Gleichzeitig nimmst du auch Geräusche von außen wahr. Im Vergleich zu geschlossenen Kopfhörern ist der Klang etwas plastischer. Gleichzeitig gibt es eine funktionierende Belüftung zwischen Ohr und Außenwelt, sodass du mit der Zeit keine heißen Ohren bekommst. Allerdings bekommt auch deine Umgebung die Musik auf deinen Ohren mit.

Wann und für wen sich offene Over-Ears eignen

Diese Kopfhörer-Bauform ist ideal, wenn du alleine zuhause über lange Zeit ungestört Musik genießen möchtest. Auch für professionelle Aufnahmen im Studio sind die Kopfhörer ideal.

Geschlossener Over-Ear-Kopfhörer – Der Klassiker

Der Over-Ear-Kopfhörer mit geschlossenen Ohrmuscheln ist der Klassiker unter den Kopfhörern. Die Besonderheit ist, dass die Ohrpolster und die geschlossene Ohrmuschel das Ohr komplett überdecken und so nahezu komplett gegen die Außenwelt abschotten. Wie hoch der Grad der Abdeckung ist, hängt vor allem vom Anpressdruck der Ohrpolster ab.

Je fester die Polster sitzen, desto besser ist die Schallisolierung. Gemeinsam mit einer guten aktiven Rauschunterdrückung blendest du die Außenwelt beinahe völlig aus. Ein großer Vorteil der geschlossenen Bauform ist der erhöhte Schalldruck im Ohr. Das führt zu besonders kraftvollen Bässen. Zudem musst du die Lautstärke für deinen Musikgenuss nicht bis zum Anschlag aufdrehen, was der Gesundheit deiner Ohren in jedem Fall zugutekommt.

Der Nachteil: Durch den Abschluss zur Außenwelt findet keine Durchlüftung statt. Unter den warmen Ohren leidet schnell der Tragekomfort bei längeren Sessions. Zudem kann der totale akustische Abschluss von der Außenwelt gerade im Straßenverkehr gefährlich werden.

Wann und für wen sich geschlossene Over-Ears eignen

Sie sind ideal für laute Umgebungen, also optimal für das Pendeln zur Arbeit, zur Schule oder zur Uni oder wenn du einfach drinnen oder draußen absolut in Ruhe Musik hören möchtest. Ebenfalls empfehlen können wir dir geschlossene Over-Ears, wenn du auf besonders druckvolle Bässe stehst.

On-Ear-Kopfhörer – Die Kompromisslösung

Für die einen sind sie nicht Fisch und nicht Fleisch. Für die anderen sind sie der optimale Kompromiss für unterwegs. Die Rede ist von On-Ear-Kopfhörern. In ihrer Bauform gleichen sie den Over-Ears. Immerhin bestehen auch sie aus einem Bügel, der zwei offene oder geschlossene Ohrmuscheln an Ort und Stelle hält. Allerdings bedecken die Ohrmuscheln nicht das gesamte Ohr, sondern sitzen auf dem Ohr auf.

Dadurch fallen die On-Ear-Kopfhörer deutlich kompakter aus und sind häufig sogar zusammenfaltbar. Das macht sie ideal für unterwegs. Abstriche musst du dagegen in Sachen Klang machen. Immerhin sind kleinere Lautsprecher verbaut, die weniger voluminös und basslastig klingen. Das große Problem ist der fehlende akustische Raum, der notwendig ist, um einen ausgewogenen Klang hervorzubringen.

Wann und für wen sich geschlossene On-Ears eignen

Du suchst nach einem Allround-Kopfhörer, den du überall mit hinnehmen kannst? Dir ist das maximale Klangvolumen weniger wichtig als Kompaktheit? Dann sind On-Ears für dich die richtige Wahl!

In-Ear-Kopfhörer – Klein, praktisch und gut?

In-Ear-Kopfhörer bzw. Ear Buds waren Ende der 90er-Jahre bzw. Anfang der 2000er die große Revolution auf dem Kopfhörermarkt. Endlich war es nicht mehr notwendig, ständig die großen Over-Ears mitzuschleppen. Warum auch, denn In-Ears und Ear Buds passen problemlos in jede Jacken- oder Hosentasche.

Grundsätzlich können wir auch hier zwischen zwei Bauformen unterscheiden – den Ear Buds und den eigentlichen In-Ears. Während die Ear Buds nur locker im Ohr sitzen und keinen akustischen Abschluss bieten, passen sich In-Ears deinem Gehörgang an und dichten ihn so ab. Der große Nachteil bei den Ear Buds, die bei vielen Smartphones mitgeliefert werden (zum Beispiel Apples AirPods), ist der lockere Sitz.

Bei Bewegung fallen sie durch die fehlende Abdichtung schnell heraus. Gerade beim Sport ist das ziemlich nervig. In-Ear-Kopfhörer dagegen sitzen deutlich fester. Gleichzeitig liefern hochwertige Modelle neben einem hervorragenden Bassverhalten auch ein angenehmes räumliches Klangverhalten. Mit den großen Brüdern aus dem Over-Ear-Segment können sie allerdings nicht mithalten.

Wann und für wen sich In-Ears eignen

In-Ears sind immer dann eine gute Wahl, wenn du unterwegs Musik hören möchtest. Ganz gleich, ob bei der Gassirunde mit deinem Hund, beim Spazierengehen, beim Pendeln oder beim Sport. Dank der kompakten Bauform nehmen sie keinen Platz weg und stören weder beim Laufen noch beim Radfahren. Zudem ist es nicht jedermanns Sache, mit dicken Ohrmuscheln in der Öffentlichkeit herumzulaufen. Was das Hörerlebnis angeht, können wir dir hochwertige In-Ears empfehlen. Ear Buds sind in Sachen Praxistauglichkeit eher eine Budget-Lösung. Gerade kabellose Varianten haben zudem den Nachteil, dass sie schnell verlorengehen.

Mit oder ohne Kabel? – Das ist hier die Frage

Kabellose Kopfhörer sind unabhängig von ihrer Bauform mittlerweile der Standard. Das hat gleich mehrere gute Gründe. Sie verheddern sich nicht, es kommt zu keinen Knoten und auch Kabelbrüche sowie Probleme mit den Klinkensteckern gehören der Vergangenheit ein.

Zudem profitierst du beispielsweise beim Sport von maximaler Bewegungsfreiheit. Also, Punktsieg für die kabellosen Krawallbrüder (und Schwestern)? Nicht ganz, denn auch kabellose Kopfhörer haben Nachteile, die du bedenken solltest. Denke daran, dass du sie regelmäßig laden musst. Dabei gilt: Je kleiner der Kopfhörer, desto kleiner ist auch der verbaute Akku.

Das wiederum verkürzt das Hörvergnügen. Auch preislich musst du für kabellose Kopfhörer nahezu immer tiefer in die Tasche greifen. Der letzte große Nachteil kabelloser Kopfhörer ist einer, an den nur wenige Menschen denken. Du darfst kabellose Kopfhörer, die über Bluetooth funktionieren, nicht im Flugzeug nutzen. Diese leidvolle Erfahrung möchte auf einem Langstreckenflug nun wirklich niemand machen.

Tipp: Gute On-Ear- und Over-Ear-Kopfhörer verfügen über einen zusätzlichen Klinkenanschluss. So kannst du sie sowohl kabellos als auch mit Kabel nutzen.